7.
Mai

Kaivalya

Diese Woche wurde ich kurzfristig aus dem Arbeitsplan gestrichen. Eine jüngere Mitarbeiterin, die dringend mehr Geld brauche, hat mich diese Woche verdrängt. Schlagartig fühle ich mich alt. Zum alten Eisen gehörend und nicht mehr gebraucht.

Es kostete mich viel Kraft, darin etwas Gutes zu sehen … Wie auch immer, kam mir gestern Abend ein Kommentar zu Patanjalis Yoga Sutras in die Hände. Oh ja, ich habe heute, an meinem ungewollt freien Tag, diesen Kommentar verschlungen! Patanjalis Yoga Sutren wirken wie Balsam und ich freue mich auf meinen weiteren Yoga Weg.

Sutra III,50: „Wenn man sogar von der Bindung an die aussergewöhnlichen Wirkungen des Yoga losgelöst ist, entsteht, im Schwinden des letzten Keim des Übels, die ursprüngliche Freiheit.“

Vielleicht bedeutet die Vollkommenheit etwas ganz anderes, als ich zu Beginn des Yogaweges glaubte. Dieses Sutra macht deutlich, dass echte Vollkommenheit darin besteht, nicht mehr nach Vollkommenheit streben zu müssen. Die wahre Vollkommenheit des Yoga ist in der Rückkehr zu einer ursprünglichen Natürlichkeit zu finden. Es geht um das Erwachen der ursprünglichen Möglichkeiten des Menschseins, der Entdeckung der ursprünglichen Menschlichkeit. Die letzte Perspektive des Yogaweges ist die Vollkommenheit von Kaivalya, die ursprüngliche Freiheit im Leben der Einfachheit im Hier und Jetzt.

nach „die Yoga-Sutras im Alltag leben“ von Eckart Wolz-Gottwald

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